Fanclub
Unser Hund hat einen Fanclub. Nicht nur in unserem Haus, unserer Straße, im Ort, am Rhein, auf der anderen Flussseite, in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Deutschland … Nein, die Verehrung für Bertha reicht über Österreich, die Schweiz bis nach Italien. Sollten wir unseren Vierbeiner mal nach Australien mitnehmen, werden sich auch die Menschen am anderen Ende der Welt zusammenrotten und Autogramme verlangen.
Ich nehme das wirklich nicht mehr persönlich. Wirklich! Es ist, wie es ist. Egal wo ich mit Bertha auftauche, bleiben Passanten grinsend stehen, wir werden bestaunt, belächelt und alle, alle machen Fotos. Mein Hund hat Starqualitäten. Warum? Schauen wir uns die Töle doch einmal genauer an:
Sie hat basedowsche Augen, eine völlig zerdrückte Schnauze (hier im Rheinland sagt man: Schnüss), sie ist klein, ihre Beine sind zu dünn, bilden hinten ein fast perfektes O und vorne ein verschobenes X, sie gibt grunzende Laute von sich, ihr Bellen klingt wie aus der Augsburger Puppenkiste, sie schnarcht, schmatzt und pupst. Kurz gesagt. Unser Hund ist der tollste Hund der Welt.
Bertha verzaubert uns Zweibeiner mit ihrem angeborenen Charme. Bertha ist Bertha, sie ist wie sie ist. Mein Boston Terrier macht aus sich keinen Dobermann und keinen Berner Sennenhund. Hat Bertha auch gar nicht nötig. Stolz und eifrig trippelt sie leicht schräg durch die Welt. Alles und jeden begrüßt sie offen und freundlich. Ihr breites Maul scheint in einem fort zu grinsen. Kommen uns in freier Natur Wanderer entgegen, huscht meist ein Lächeln über ihr Gesicht: "Was ist denn das? Hossa, ein Kampfhund! Ist das eine Katze? Oder gar ein Rollmops?"
Im Siebengebirge ist Bertha mittlerweile bekannt wie ein bunter Hund. Ich wundere mich schon lange nicht mehr, wenn energische Nordic-Walking-Rentnerpaare unverblümt fragen: "Und wo ist Bertha?" Ich kann sie meist beruhigen, indem ich ihnen mitteile, dass Bertha weiter hinten noch zugefrorene Maulwurfhügel beschnüffelt. "Ja, dann ist ja alles in Ordnung", mit diesen Worten wackelt die letzte glückliche und wohl versorgte Senioren-Generation von dannen.
Wenn ich einmal ohne Hund unterwegs bin (vorzugsweise beim Shoppen in der Stadt – da ist mein Boston Terrier ein echtes Klötzchen am Bein), werde ich als Alleingängerin nicht auf Anhieb erkannt. Verwundert blickt man mir ins Gesicht, wenn ich es wage, zu grüßen.
"Kennen wir uns? Sie kommen mir irgendwie bekannt vor."
"Bertha."
"Natürlich! Bertha! Ja, ohne Hund wusste ich nicht, wohin ich sie stecken soll. Grüßen sie mir die Kleine recht herzlich."
Ich habe noch mehr Anekdoten auf Lager: Auf der Eröffnung der Profession&Passion lag ein abgewandeltes Gästebuch aus: Gelochte Pappkarten, die man auf einen eigens dafür entworfenen Gästestab stecken konnte. Ein Gäste-Kommentar lautete wie folgt: WO IST BERTHA?? P.S. Alles top hier.
Was können wir von diesem kleinen Hund lernen?
Sei wie du bist - alles andere hat eh keinen Zweck
Wie du bist, ist schwer in Ordnung
Ein Lächeln bewirkt mehr, als du denkst
Gibt jedem eine Chance
Sei zuerst einmal freundlich
Egal was du machst, es könnte ein Leckerchen dabei herausspringen
Na, und an wen erinnert uns das? Genau! Den Dalai-Lama. Ich denke, es gibt auch eine Wiedergeburt von vierbeinigen Buddhas und Bertha ist ganz sicher einer davon. Oom …